Mit der Bahn durch Europa – Zusammenfassung
Von Ende Mai bis Anfang Juni hatte ich auf Facebook so „live“ wie es geht von unserer Interrail-Tour über Tschechien, Polen und das Baltikum nach Skandinavien erzählt. Die meisten Texte hatte ich in der Bahn oder auf einem Schiff getippt und nur die letzten dann von zuhause aus. Und nun habe ich es geschafft, das alles mal ins Reine zu schreiben und mit mehr Bildern zu versehen. Inklusive jener sensationellen Ansage in einem Zug in Valga, den die estnische Bahngesellschaft Elron mir netterweise zur Verfügung gestellt hat, denn nach dem hatte ich eine ganze Weile lang gesucht.
Als Bonus präsentiere ich Euch hier ein Filmchen, dass ich über die Tour produziert habe – mit deutlichem Fokus auf die Fahrt selbst. Beim nächsten Mal möchte ich noch mehr „drumherum“ und mehr persönliche Eindrücke mit hineinbringen. Die Idee zum Film ist mir erst nach der Reise gekommen – und da konnte ich dann natürlich nur auf das zurückgreifen, was wir an Material mitgebracht hatten.
Viel Spaß beim Film – und natürlich darf man auch auf Youtube gerne liken und kommentieren. ^^


Ich wollte aber noch eine Art „Fazit“ der Reise schreiben – und das kommt hier. Unsere Tour war in mehrfacher Hinsicht ein Abenteuer. Zum einen, weil ich noch nie mit Interrail gefahren war, weil es viele Unsicherheiten gab, was die Zugverbindungen betrifft und ob wir mit der Zeit und den Umstiegen klarkommen. Wir hatten ja bewusst „Low Budget“ geplant und das heißt eben auch, dass wir wirklich nur die Züge reserviert hatten, bei denen das zwingend vorgeschrieben war. Und auch ob das mit den Übernachtungen klappt, weiß man vorher nicht. Mein Eindruck auf der Reise war, dass man mit der Bahn einfach viel näher am Land und den Leuten dran ist, als wenn man fliegt oder über die Autobahn brettert. Ehrlich gesagt hatte ich mir die Reise auch anstrengender vorgestellt, als sie tatsächlich war. Mit der Bahn reist man trotz aller Unwägbarkeiten auf eine sehr angenehme Art. Und wir trafen in allen Ländern auf freundliche und hilfsbereite Leute und auf Nahverkehrssysteme, deren Benutzung mal etwas leichter und mal etwas schwieriger war – gut funktioniert haben sie aber alle. Wenn wir mal den letzten Tag in Deutschland ausnehmen.


Zum anderen war die Reise ein Abenteuer, weil ich noch nie im Baltikum oder in Finnland war und viel zu wenig über die Länder wusste, vor allem was Estland, Lettland und Litauen betraf. Länder und Städte auf einer Landkarte. Man weiß ungefähr wo sie liegen, aber ich habe die Hauptstädte immer mal wieder durcheinander bekommen weil sie für mich eben nur Namen waren. Das ist jetzt völlig anders, seit ich die Länder, Städte, Sprachen und Kulturen erlebt habe, deren Architektur und auch Küche. Wie unterschiedlich sie sind, war mir vorher nicht klar.




Einige meiner Vorurteile sind krachend in sich zusammengebrochen. Ich habe den damaligen „Ostblock“ ja noch erlebt, als einen grauen, deprimierenden und aufgezwungenen Einheitsbrei, der sich über Völker, Kulturen und Länder gelegt hat wie die Asche eines Vulkans, die alles zu ersticken scheint. Aus den ersten bunten Blüten der Freiheit und Individualität, der Kunst und Kultur, die aus diesem Schlamm herausgewachsen sind, seit das Joch der Sowjetherrschaft abgeworfen werden konnte, sind heute weite Felder geworden, so als wäre etwas, das lange eingesperrt war, nun wieder ans Sonnenlicht getreten und hätte tief Luft geholt. Ich will das Bild der „blühenden Landschaften“ nicht überstrapazieren, das ging auch schon mal nach hinten los. Aber wer Europa und wer Freiheit greifbar erleben will, der wird im Baltikum fündig.

Zu einem Fazit gehört auch die Frage, ob wir das wieder so machen würden. Zunächst mal: ja, hundertprozentig. Und wir werden die Orte auch wieder besuchen. Das einzige, was ich ändern würde: doch ein paar Euro mehr investieren und vor allem bei langen Zugverbindungen Plätze reservieren. Und vor allem: Mehr Tage für das „dazwischen“ einplanen, denn ich hatte unterschätzt, wie viel es abseits der Fahrt zu entdecken gibt.
Wie ich schon an anderer Stelle schrieb: Interrail ist die beste Erfindung seit der Crème brûlée. Ich weiß noch nicht, wohin die nächste Fahrt geht. Es bleibt spannend.


